Nach den Landesbauordnungen muss eine begehbare Fläche umwehrt werden, wenn sie an mehr als 1 m tiefer liegendes Gelände grenzt. Die Umwehrung muss bei 1 bis 12 m Absturzhöhe mindestens 0,90 m hoch sein, darüber 1,10 m – so etwa § 38 BauO NRW. Je nach Bundesland ist ein Geländer schon ab etwa 50 cm Terrassenhöhe erforderlich. Zwischenräume zwischen Geländerstäben sollten 12 cm nicht überschreiten. Für Treppen gelten eigene Regeln, und Handläufe sind eine eigene Anforderung. Da das Baurecht Ländersache ist, klären Sie immer mit Ihrem Bauamt, was bei Ihnen gilt.
Dieser Ratgeber erklärt, was jede Regel an einer echten Terrasse bedeutet, wie Sie Geländerstäbe so verteilen, dass sie die Anforderungen erfüllen, und welche konstruktiven Details genauso wichtig sind wie die Maße.
Umwehrung und Handlauf: zwei verschiedene Dinge
Im Alltag sagt man zu beidem „Geländer“, das Baurecht behandelt sie aber getrennt:
- Eine Umwehrung (Geländer oder Brüstung) verhindert, dass jemand über eine offene Kante stürzt. Sie läuft entlang des Terrassenrands und an den freien Seiten der Treppe.
- Ein Handlauf dient zum Festhalten beim Treppensteigen. Er muss fest und griffsicher sein und in einer bestimmten Höhe sitzen.
An Treppen kann ein Geländer beide Aufgaben übernehmen – aber nur, wenn sein oberer Abschluss auch als Handlauf taugt. Eine breite, flache Holzabdeckung lässt sich meist nicht umgreifen.
Wann eine Terrasse ein Geländer braucht
Die Landesbauordnungen folgen weitgehend demselben Muster. In Nordrhein-Westfalen etwa sind nach § 38 Abs. 1 BauO NRW unter anderem zu umwehren:
- Flächen, die im Allgemeinen zum Begehen bestimmt sind und unmittelbar an mehr als 1 m tiefer liegende Flächen angrenzen;
- Dächer oder Dachteile, die zum Aufenthalt von Menschen bestimmt sind – also Dachterrassen;
- die freien Seiten von Treppenläufen, Treppenabsätzen und Treppenöffnungen.
Die Grenze von 1 m ist aber nicht überall die ganze Wahrheit. Die Fachbroschüre Praxiswissen Holz (hagebau) weist darauf hin, dass ein Geländer je nach Bundesland schon ab einer Terrassenhöhe von 50 cm erforderlich ist. Messen Sie die Höhe an mehreren Stellen, besonders auf Hanggrundstücken: Eine Terrasse kann am Haus ebenerdig sein und am Gartenende deutlich über dem Gelände liegen.
Liegt Ihre Terrasse überall unter der Grenze Ihres Landes, ist kein Geländer vorgeschrieben – bauen dürfen Sie trotzdem eins. Viele setzen eines dort, wo Kinder spielen oder das Gelände abfällt.
Ab etwa 60 cm Höhe gilt eine Terrasse zudem als aufgeständert und muss als tragende Konstruktion geplant werden; ob dann eine Genehmigung nötig ist, regelt die Landesbauordnung.
Wie hoch das Geländer sein muss
| Ort | Mindesthöhe | Quelle |
|---|---|---|
| Terrasse, Balkon, Podest mit 1 bis 12 m Absturzhöhe | 0,90 m | § 38 Abs. 4 BauO NRW |
| Absturzhöhe über 12 m | 1,10 m | § 38 Abs. 4 BauO NRW |
| Holzterrassen allgemein | mind. 90 cm ab Oberkante Belag | Praxiswissen Holz |
| Treppengeländer bei bis zu 12 m Absturzhöhe (Wohngebäude) | 0,90 m | DIN 18065, Zusammenfassung nullbarriere.de |
Gemessen wird an der Terrasse ab Oberkante Belag bis Oberkante Geländer. Die Landesbauordnungen anderer Länder enthalten vergleichbare Werte, können aber im Detail abweichen. Diesen Wert sollten Sie vor allen anderen prüfen, bevor Sie einen Geländer-Bausatz bestellen, denn Bausätze gibt es nur in festen Höhen.
Zum Vergleich: In den USA verlangt der Baucode für Wohnhausterrassen mindestens 36 Zoll (rund 91 cm) ab 30 Zoll (rund 76 cm) Terrassenhöhe – also eine ähnliche Höhe, aber eine niedrigere Schwelle.
Eingebaute Sitzbänke verändern die Rechnung
Eine am Terrassenrand eingebaute Bank ist für ein Kind eine Stufe, über die es auf und über das Geländer klettern kann. Die wirksame Geländerhöhe ist dann nur noch der Abstand von der Sitzfläche bis zur Oberkante. Planen Sie Sitzbänke am Rand, erhöhen Sie das Geländer dahinter oder rücken Sie die Bank vom Rand weg.
Stababstand: die 12-cm-Regel
Praxiswissen Holz fasst zusammen: Der Zwischenabstand der Geländerstäbe und -bretter ist nach den Vorgaben der Landesbauordnungen einzuhalten, Abstände und Öffnungen sollten 120 mm nicht überschreiten. Für Treppengeländer nach DIN 18065 gilt in Gebäuden, in denen mit unbeaufsichtigten Kleinkindern zu rechnen ist, dass der lichte Abstand von Geländerteilen in einer Richtung höchstens 12 cm betragen darf (nullbarriere.de). Das Maß soll verhindern, dass ein Kind hindurchschlüpft. Es gilt für jede Öffnung, darunter:
- der Zwischenraum zwischen den Geländerstäben
- der Spalt zwischen unterem Riegel und Terrassenbelag
- der Spalt zwischen dem letzten Stab und dem Pfosten
- der Spalt, wo das Geländer an die Hauswand stößt
Waagerechte Füllungen: Leitereffekt vermeiden
Waagerechte Stäbe, Bretter oder Seile wirken für Kinder wie eine Leiter. DIN 18065 verlangt deshalb bei waagerechten Geländergurten, dass das Überklettern erschwert wird – etwa mit einem um mindestens 15 cm nach innen gezogenen Handlauf. In der Praxis wählen die meisten bei Terrassen mit Kindern senkrechte Stäbe. Seilgeländer geben außerdem nach, wenn man dagegen drückt; Abstand und Spannung müssen sich nach den Vorgaben des Systemherstellers richten. Fragen Sie Ihr Bauamt, bevor Sie sich für eine waagerechte Füllung entscheiden.
Warum man unter 12 cm bleibt
Ein Zwischenraum von genau 12 cm ist zu knapp, sobald sich ein Holzstab verzieht oder schwindet. Planen Sie etwas Luft ein: 100 bis 110 mm lichte Weite lassen Spielraum für Bewegung und kleine Schnittfehler.
Rechenbeispiel: Geländerstäbe zwischen zwei Pfosten
Pfosten mit 1,5 m Achsabstand, Pfosten 90 × 90 mm und Geländerstäbe 45 mm breit:
- Lichte Weite zwischen den Pfosten: 1.500 − 90 = 1.410 mm.
- Wählen Sie einen Zielabstand von höchstens 110 mm. Jeder Stab plus ein Zwischenraum braucht 45 + 110 = 155 mm. Es gibt immer einen Zwischenraum mehr als Stäbe.
- Mindestanzahl Stäbe: (1.410 − 110) ÷ 155 = 8,4, also aufgerundet 9.
- Tatsächlicher Zwischenraum: (1.410 − 9 × 45) ÷ 10 = 1.005 ÷ 10 = 100,5 mm.
Mit dem Höchstwert von 120 mm statt 110 mm kämen Sie mit 8 Stäben und Zwischenräumen von 116,7 mm aus – zulässig, aber ohne Reserve. Schneiden Sie einen Abstandsklotz auf genau die gewählte Breite zu und verwenden Sie ihn für jeden Stab im Feld. Kleine Fehler summieren sich, prüfen Sie Ihre Einteilung deshalb von beiden Pfosten zur Mitte hin.
Der Geländer-Rechner rechnet das für jedes Feld Ihrer Terrasse durch und summiert anschließend Pfosten, Riegel und Geländerstäbe für den gesamten Umfang.
Festigkeit ist so wichtig wie Höhe
Ein Geländer in der richtigen Höhe, das nachgibt, wenn sich jemand dagegen lehnt, ist keine Absturzsicherung. Umwehrungen müssen die horizontalen Lasten aufnehmen, die die Technischen Baubestimmungen vorgeben, und bei aufgeständerten Terrassen gehört das Geländer zur statisch zu planenden Konstruktion. Einige praktische Punkte:
- Pfosten richtig anschließen. Geländerpfosten werden seitlich mit durchgehenden Schraubenbolzen an einer tragfähigen Unterkonstruktion befestigt oder auf einem geprüften Pfostenträger montiert. Eine Befestigung nur am Terrassenbelag oder an einer dünnen Stirnblende reicht nicht.
- Pfosten nicht schwächen. Einen Holzpfosten auszuklinken, damit er bündig am Randholz sitzt, nimmt ihm einen großen Teil seines Querschnitts genau dort, wo die Hebelwirkung am größten ist.
- Pfostenabstand nach System. Holz-, Metall- und WPC-Geländersysteme geben den zulässigen Pfostenabstand und die Befestigung in ihrer Montageanleitung an. Folgen Sie diesen geprüften Details.
- Keine WPC-Tragwerke ohne Zulassung. Bei aufgeständerten Terrassen dürfen WPC und modifizierte Hölzer nur mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) oder ETA eingesetzt werden.
Geländerpfosten beeinflussen auch Ihre Unterkonstruktion. Wenn Sie vor dem Bau wissen, wo die Pfosten stehen, können Sie zusätzliche Hölzer an die richtigen Stellen setzen. Der Unterkonstruktions-Rechner hilft, die Hölzer so einzuteilen, dass die Pfosten dort landen, wo Sie sie brauchen.
Handläufe an Treppen
Die Landesbauordnungen verlangen für Treppen einen Handlauf; § 34 Abs. 6 BauO NRW etwa sagt: Treppen müssen einen festen und griffsicheren Handlauf haben, Handläufe auf beiden Seiten sind vorzusehen, soweit die Verkehrssicherheit dies erfordert (§ 34 BauO NRW). Für die Ausführung gibt DIN 18065 die Maße vor, zusammengefasst bei nullbarriere.de und Baunetz Wissen:
- Die Höhe beträgt mindestens 80 cm und höchstens 115 cm, gemessen lotrecht über der Stufenvorderkante bis Oberkante Handlauf.
- Der Abstand zur Wand oder zu anderen Bauteilen muss mindestens 5 cm betragen.
- Die greifbare Breite liegt laut Baunetz Wissen zwischen 2,5 und 6 cm; für barrierefreie Treppen nach DIN 18040 gelten 3 bis 4,5 cm Durchmesser und 85 bis 90 cm Höhe.
- Als Treppenlauf gilt bereits eine Folge von mindestens drei Stufen.
Eine gängige Lösung bei Terrassen: Das Treppengeländer bekommt eine Abdeckung, und an der Innenseite der Pfosten wird mit Haltern ein separater runder Handlauf in der richtigen Höhe montiert. Zur Treppengeometrie lesen Sie den Ratgeber zur Terrassentreppe. Der Treppenrechner sagt Ihnen, wie viele Stufen Sie haben.
Das Material planen
Sind die Regeln klar, läuft die Materialliste für ein Geländer aufs Zählen hinaus:
- Pfosten: einer an jeder Ecke, an jedem Ende eines Geländerabschnitts, oben und unten an der Treppe sowie Zwischenpfosten, damit kein Feld länger wird als der zulässige Pfostenabstand Ihres Systems.
- Riegel: oberer und unterer Riegel für jedes Feld, dazu eine Abdeckung, falls Ihr Entwurf eine vorsieht.
- Geländerstäbe: Feld für Feld mit der obigen Abstandsmethode berechnet.
- Befestigungsmittel und Beschläge: Schraubenbolzen oder Pfostenträger pro Pfosten, Schrauben pro Stab. Der Terrassenschrauben-Rechner erledigt die Dielenschrauben; Geländerbeschläge werden meist pro Pfosten gezählt.
Ein Beispiel: Geländer an drei Seiten einer Terrasse von 4 × 3 m (3 m, 4 m und 3 m), Pfosten 90 × 90 mm im Abstand von höchstens 1,5 m, Stäbe 45 mm, höchstens 120 mm Abstand. Der Geländer-Rechner kommt auf 8 Pfosten, 7 Felder und 53 Geländerstäbe mit Zwischenräumen von rund 112 mm. Kaufen Sie ein paar Stäbe mehr für Risse und Fehlschnitte.
Geländer machen einen größeren Anteil an den Terrassenkosten aus, als viele erwarten – besonders bei Edelstahl-, Glas- oder WPC-Systemen. Die Aufschlüsselung der Terrassenkosten zeigt, wo das Geländer im Gesamtbudget steht.
Häufig gestellte Fragen
Braucht eine Terrasse unter 1 m Höhe ein Geländer?
Nach vielen Landesbauordnungen erst ab mehr als 1 m Absturzhöhe. Je nach Bundesland kann ein Geländer aber schon ab etwa 50 cm erforderlich sein. Prüfen Sie das Gelände an mehreren Stellen entlang des Rands, denn bei einem abfallenden Garten kann ein Teil einer niedrigen Terrasse die Grenze überschreiten, und fragen Sie im Zweifel Ihr Bauamt.
Wird der Stababstand von Mitte zu Mitte oder zwischen den Stäben gemessen?
Gemessen wird die lichte Öffnung zwischen den Stäben, nicht der Achsabstand. Mit 45 mm breiten Stäben und 100 mm lichter Weite liegen die Achsen 145 mm auseinander. Maßgeblich ist, dass keine Öffnung breiter als 12 cm ist – auch nicht an Pfosten, Hauswand und unter dem unteren Riegel.
Kann das Treppengeländer zugleich der Handlauf sein?
Ja, wenn sein oberer Abschluss zwischen 80 und 115 cm über der Stufenvorderkante liegt, fest und griffsicher ist und sich umgreifen lässt. Eine breite, flache Holzabdeckung ist dafür meist ungeeignet, deshalb bekommen viele Holzterrassen an der Treppe einen separaten runden Handlauf. Hersteller von Geländersystemen bieten dafür oft passende Handlaufhalter an.
Sind 90 cm oder 1,10 m vorgeschrieben?
Für die meisten Terrassen an Wohnhäusern 0,90 m, denn 1,10 m verlangen die Landesbauordnungen erst ab mehr als 12 m Absturzhöhe. Manche Planer wählen trotzdem ein höheres Geländer, etwa auf Dachterrassen oder wenn eine Bank am Rand steht. Klären Sie die Anforderung Ihres Landes, bevor Sie einen Geländer-Bausatz kaufen, denn Bausätze werden in festen Höhen verkauft.